Auf nach Kambodscha, oder: wie man für 250 Kilometer 12 Stunden braucht und 13 Dollar extra zahlt

Zuallererst mal: Da wir nach unserem letzten Post sehr viel positives Feedback bekommen haben (den Reaktionen nach scheint das “Konzept Hupen” nicht nur in laotischen und kambodschanischen Fahrschulen – und ja, sowas gibt’s da, wir haben es mit eigenen Augen gesehen! – gelehrt zu werden), möchten wir uns zunächst mal bei allen bedanken, die unseren Blog auch tatsächlich fleißig lesen. Das Schreiben und vor allem das stundenlange Hochladen der Bilder (da vermisst man wirklich das heimische Internet…) fällt doch eindeutig leichter, wenn man weiß, dass es auch fleißige MitleserInnen und BildchenschauerInnen am anderen Ende gibt 😉

Auch dieses Mal gibt es natürlich einiges zu erzählen, und wie schon angekündigt, handelt der erste Teil von einer seeeehr sehr langen Busfahrt… (Warnung: diesen Teil des Berichts nur lesen, wenn ihr gerade nicht viel zu tun habt… Das dauert selbst beim Erzählen alles noch seeeehr lang… Sonst einfach mit den süßen kleinen Delfinen weitermachen ;))
Angefangen hat das ganze um 08 Uhr am Morgen, als wir nach einem betrunkenen Abend mit unserem Gastgeber Lutz der schönen Insel Don Det auf Wiedersehen sagen mussten. Wieder am Festland angekommen gingen wir 15 Minuten mit unserem Gepäck zur Busstation, von der angeblich unser Bus nach Kambodscha abfahren sollte – nur um dann zu erfahren, dass wir wieder 10 Minuten zurück müssen, da es sich um eine anderes Busunternehmen handle. Wir wurden also bei besagtem Busunternehmen vorstellig und erst mal 30 Minuten ignoriert. Dann wurde unser Ticket gegen ein neues ausgetauscht und wir wurden – Überraschung! – wieder zur ersten Busstation zurückgeschickt. Dort wurde unser Ticket dann auch prompt erneut umgetauscht und uns (“5 minutes”) verkündet, dass der Bus also doch von hier fahren würde – anscheinend hatte sich es die nette Dame im Schalter einstweilen anders überlegt und wir waren nun noch bei der “right company”. Nach weiteren 45 Minuten des Wartens quetschten wir uns also glücklich zu 15 in einen 12-Personen-Bus – schließlich sollte die Reise gen Kambodscha endlich losgehen!
Nach 30 recht langen und WARMEN Minuten erreichten wir die Grenze, wo wir von unsagbar missmutigen Grenzbeamten “empfangen” wurden. Mit 3 Dollar “exit fee” (nicht offiziell, das haben sich die Grenzbeamten anscheinend ausgedacht – diskutieren führt aber leider nirgends hin, da man sonst “overstay fee ” zahlt) durften wir Laos verlassen, nur um in Kambodscha 35 Dollar statt der vorgesehenen 30 Dollar für das Visum zu bezahlen. Laut Reiseführer ist das sogenanntes “tea money”, das sich die Grenzbeamten einbehalten, weil sie an einer so “abgelegenen Grenze” arbeiten müssen – ist ja schließlich auch der einzige Grenzübergang zwischen Laos und Kambodscha, also echt kaum Touris hier… :/ Immerhin haben wir uns einen Dollar gespart, den andere bei einem “medical exam ” (Fiebermessen, woraufhin man einen Zettel in die Hand gedrückt bekommt, auf dem steht, dass man ein Krankenhaus aufsuchen soll, wenn man körperliche Beschwerden hat…), das man für das Visum absolut nicht braucht, investiert hatten… Gegenüber vielen Mitreisenden, die ihre Visamodalitäten für noch ein paar Dollar mehr von einer Agentur erledigen ließen, hatten wir zudem den Vorteil, dass wir unseren Pass nie länger aus der Hand geben mussten – 13 unserer Mitreisenden mussten nämlich hinter der Grenze erst mal eine Stunde warten, weil ihr Pass verschollen war… Zumindest zeitlich bestand aber absolut kein Druck, Stress mit Weiterfahren schienen unsere Busfahrer alle nicht zu haben…

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Warten an der kambodschanischen Grenze...

Gegen 13 Uhr Ortszeit passierte dann aber doch das Unvorstellbare: die Pässe tauchten auf und wir konnten weiterfahren! (Stand zu diesem Zeitpunkt: Don Det – Grenze: 12 Kilometer, macht also einen Schnitt von 2,5 km/h…) Die Fahrt dauerte dann auch volle 60 Minuten, bis uns verkündet wurde, unsere Gruppe würde hier geteilt (manche wollten gen Westen, andere Richtung Südkambodscha) und wir somit halt machten. Ihr ahnt es wahrscheinlich schon – der “Anschlussbus ” stand natürlich keineswegs bereit, vielmehr haben wir erneut ca. 1,5 Stunde gewartet… (ABER der Ort unseres Wartens war ja auch 80 Kilometer entfernt, der Stundenschnitt hatte sich also auf beachtliche 12 km/h gebessert!).

Als dann gegen 15:30 Uhr der Aufbruch Richtung Kratie anstand, konnten wir unser Glück kaum fassen – doch die Freude sollte nur kurz währen, nach nicht mal 20 Minuten qualmte es aus dem Motorraum unseres Busses und dieser kam zum Stillstand… Nach erneuten 1,5 Stunden Warten in der prallen Sonne an einem Straßenrand inklusive lächerlicher, wenngleich unterhaltsamer “push-the-bus”-Versuche – eh klar, so ein Bus läßt sich bestimmt leicht anschieben – wurde uns schließlich eine “Lösung” vorgeschlagen: gegen “nur” 5 Dollar Aufpreis würde man uns einen Minivan nach Kratie organisieren. Obwohl wir eigentlich alle nicht einsahen, warum wir noch einmal drazfzahlen sollten, haben wir schließlich eingewilligt – wer möchte schon gerne seine Nacht ohne Zelt neben irgendeiner Straße verbringen? Ob die Leute vom Busunternehmen uns übers Ohr gehauen haben und das alles nur ein Fake war, wissen wir natürlich bis heute nicht… aber für uns stand zu diesem Zeitpunkt schon nur noch fest, dass wir an diesem Abend unbedingt noch nach Kratie kommen wollten… (Ahja, Zwischenstand: 95 Kilometer geschafft, Rückfall auf 10 km/h im Durchschnitt.)

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Pushing the bus!

Leider war mit der Ankunft des Minivans Richtung Kratie unser Abenteuer noch nicht vorbei… Kaum waren wir in den Minivan gestiegen, hielt dieser 200 Meter weiter bei einer Werkstätte – er musste ein Loch in seinem Reifen flicken lassen! Das Schlimmste kam aber erst – wie um alle verlorene Zeit wieder gut zu machen (oder vielleicht auch einfach nur, um möglichst schnell wieder zu Hause zu sein…) fuhr unser Fahrer wirklich wie ein Wahnsinniger. Wir sind natürlich seit unserem Busunfall leicht geschädigt, aber auch objektiv besehen mussten man in diesem Bus dank waghalsigster Fahrweise einfach nur um sein Leben bangen… Sehr passend übrigens, was wir am Tag darauf im Lonely Planet über Minivans in Kambodscha gelesen haben “Avoid them if you value things like comfort or your life “. Wir haben den Fahrer sogar mehrmals aufgefordert, seine Geschwindigkeit zu verringern, allerdings mit nur äußerst mäßigem Erfolg… Insofern waren wir einfach nur froh, dass wir in Kratie endlich aussteigen durften und hoffen von ganzem Herzen, dass unsere Mitreisenden nach Phnom Penh auch gut angekommen sind…Und somit waren dann um 20 Uhr nach 12-stündiger Reise also mit einer atemberaubenden Durchschnittsgeschwindigkeit von 20 km/h die vollen 245 Kilometer zwischen Don Det und Kratie absolviert!

So mühsam und die anstrengend dieser Tag auch, war so hatte er doch des den positiven Effekt, dass wir Jutta, eine sehr lieben Travellerin aus Deutschland getroffen haben, mit der wir uns auf – zum Glück relativ unkomplizierte Herbergssuche – machten und auch die nächsten Tage verbrachten. Nach einem wohl verdienten Abendessen stand am nächsten Tag nach einem kurzen Besuch des lokalen Wats und des (extrem grausig stinkenden!) Markts vor allem eins auf dem Programm: Dolphin Watching! Die Irawadidelfine sind Flussdelfine, die im Mekong leben. Mittlerweile gibt es im Mekong angeblich nur noch ca. 80 Exemplare. Ungleich ihren Flipper-Artgenossen haben sie allerdings eine stumpfe Nase und springen nicht aus dem Wasser (zumindest haben wir sie nicht springen gesehen ;)). Überhaupt war es – obwohl wir auf unserer einstündigen Bootsfahrt erstaunlich viele Delfine gesehen haben, leider sehr schwer sehr, die Tiere auf einem Foto festzuhalten… Ihr müsst uns also einfach glauben, dass die schwarzen Flecken auf den Fotos wirklich Delfine sind und der Ausflug ganz toll war 😉

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Unser Ausflugstuktuk

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Warten auf die Delfinr

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Ahja stimmt... Sonnenuntergänge gab's auch in Kratie! 😉

Das war’s auch schon mit unserem diesmaligen Bericht, die versprochenen Fotos von alten Tempeln müssen leider warten, bis wir von unserer einsamen Insel ohne Internet, auf die wir uns jetzt begeben, zurück sind. 🙂

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One thought on “Auf nach Kambodscha, oder: wie man für 250 Kilometer 12 Stunden braucht und 13 Dollar extra zahlt

  1. Christa Plankel says:

    Hallo ihr beiden Sportsfreunde. Ich bin überwältigt von eurem sportlichen Elan und den Mutproben in luftiger Höhe – wer hätte das gedacht! Auch der überraschende Drang fremde und wilde Tiere wie Wasserbüffel, Elefanten, Delfine und kleine Haustiere zu beobachten und lieben zu lernen hat mich überrascht. Vielleicht müssen wir nach eurer Rückkehr einmal in der Übergangsphase einen Urlaub am Bauernhof mit euch machen. Dass das Relaxen nicht zu kurz kommt finde ich gut und wichtig- braucht ja wirklich nicht jeden Tag einen unvorhersehbaren Adrenalinstoß. An der Grenze nicht unnötig wichtig zu sein und den armen Zöllnern das Leben nicht unnötig schwer zu machen, finde ich gut. Hier dürften sich entweder bei der Dani die gleichen Grenz-Gene entfalten wie bei mir (siehe Bericht Republika Srpska/Kroatien) oder die Vernunft eines Linzer-Buam. Was die Wahl eurer Verkehrsmittel angeht scheint noch einiges an Verbesserungspotential zu bestehen. Daher die Bitte: Passt auf und seid vorsichtig. Das Fahren zu ebner Erd, am Wasser oder in der Luft ist offenbar nicht ganz ohne. Gute und verlässliche Informationen vor Antritt der einzelnen Etappen zu sammeln und zu beachten scheint ein Gebot der Stunde und der zukünftigen Monate.
    Kommt gut weiter und gut heim.
    Freue mich auf die weiteren “Abenteuer” (müssen aber nicht allzu spektakulär sein, denn die guten Abenteuer sind im Kopf – sagt der Heller Franz.
    Dad

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