Kunst, Kaffee und Kriminalität: Willkommen in Kolumbien ;)

Von Peru nach Kolumbien

Aufgrund unserer Party-Ambitionen zu Halloween war das Aufstehen am nächsten Morgen etwas schwieriger – vor allem, da unser Speedboat Richtung Kolumbien um 06:00 Uhr losfahren sollte und wir dafür um 05 Uhr aufbrechen mussten (und vielleicht auch ein bißchen wegen dem Alkohol am Vortag…). Lisa und Nicole hatten überhaupt gleich durchgemacht, vielleicht auch nicht die blödeste Idee… Der Vorteil unserer Müdigkeit war, dass wir die Wartezeit (das Boot fuhr natürlich erst um 07 Uhr los – damit war in Peru bzw. Südamerika aber irgendwie auch zu rechnen ;)) sowie die Bootsfahrt selbst großteils verschliefen!

Im Amazonas-Dreiländereck angekommen mussten wir zunächst mal auf einer der Inseln aus Peru ausstempeln – wobei wir, kaum auf der Insel angekommen, von unvorstellbaren Mückenschwärmen attackiert wurden (und wir dachten, wir hätten mit dem Dschungeltrip das Schlimmste hinter uns…). In Leticia, dem kolumbianischen Grenzdorf, war die Plage zum Glück nicht ganz so schlimm, sodass die drei Tage, die wir hier mit Lisa und Nicole auf unseren Weiterflug warteten, ganz nett waren 🙂

In Ermangelung sonstiger Touristenattraktionen unternahmen wir gemeinsam einen Ausflug nach Tabatinga, dem brasilianischen Dorf des Dreiländerecks – wobei “Ausflug” wirklich schon etwas übertrieben ist, muss man dafür doch einfach nur 15 Minuten der Straße nach Osten folgen, und schwupdiwups ist man ganz ohne Grenzkontrollen schon in einem anderen Land! Dort gönnten wir uns dann – wie könnte es anders sein – ein brasilianisches Bier 😉

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Well hello, Brazil!

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Saúde!

Am nächsten Tag hingegen entspannten wir an einem Schwimmplatz bei einem Fluss, wo uns die Einheimischen mit Musik, Früchten und sogar Bier versorgten 🙂 Und das kühle Nass Tat in der tropischen Hitze wirklich sehr sehr gut 😉

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Didis Kamera hatte einen Filter-Anfall...

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War aber auch ohne Filter ganz nett hier!

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Voller Einsatz fürs Foto!

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Scheeeee!

Ab in die Hauptstadt!

Schließlich war der Tag gekommen, da wir sowohl der Regenwald-Hitze als auch unseren kanadischen Weggefährtinnen Lebewohl sagen mussten, da es für uns mit dem Flieger für einen kurzen Zwischenstopp nach Bogotá ging. Hier erkundeten wir den Parque 93, einen hübschen Park mit Mini-Bibliothek und Tafeln mit Buchempfehlungen (sogar österreichischen!), und machten am letzten Tag eine geführte Stadtwanderung, bei der wir viel über die bewegte Geschichte von Kolumbien und den künstlerischen Bewegungen der Gegenwart erfuhren. Außerdem konnte Kultur-Dee sogar motiviert werden, sich das Botero-Museum (der wohl bekannteste Maler und Bildhauer Kolumbiens) anzuschauen!

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Der Bücherwagen im Parque 93

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Man lese: Thomas Mann!

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Bogotás Zentrum - anscheinend am Wochenende DER Partyplatz... unter der Woche bei Regen irgendwie schwer vorstellbar 😉

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Wappen vor dem Präsidentenpalast: mit Panama 😉

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Sehr sympathische Stadt 😉

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Kunst in Bogotá: Die Stadtregierung führt Wettbewerbe zur Vergabe von Grafittis auf öffentlichen Gebäuden

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Das neueste öffentliche Grafitti symbolisiert die ethnische Vielfalt Kolumbiens (wurde uns gesagt ;))

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Auch Kunst aus Bogotá: Statue auf dem Dach 😉

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Vor lauter Kunst hat sich dann sogar Didi ins Museum begeben

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Die Botero-Monalisa

Seltsam hier…

Auf unserem Heimweg im ZIEMLICH überfüllten Bus (fast U6-zu-Feierabendzeiten-Zustände ;)) passierte dann etwas, mit dem wir in Kolumbien doch nicht gerechnet hätten: Als wir an unsere Haltestelle ausstiegen – glücklich, dem etwas zu engem Körperkontakt im Bus sowie der Sorge um unsere Wertsachen endlich entkommen zu sein -, fing eine Frau hinter uns plötzlich an, “Policia! Policia!” zu schreien – und deutete dabei auf uns! Sie erklärte den Polizisten (die hier an jeder Bushaltestelle herumstehen), Didi hätte ihr das Handy geklaut und er müsse durchsucht werden… und falls er es nicht habe, müsse er es an mich weitergegeben haben, weswegen auf jeden Fall auch ich durchsucht werden müsse. Tja, und schon stand Didi mit den Armen am Hinterkopf an der Wand und wurde von kolumbianischen Polizisten abgetastet! Wir waren in dem Moment irgendwie auch beide zu perplex und verwirrt, um uns groß dagegen zu wehren… Wenig erstaunlich fanden die Polizisten weder bei Didi noch in meinem Rucksack etwas (mich abzutasten trauten sie sich dann wohl in Ermangelung einer weiblichen Polizistin doch nicht…). Die Frau bestand zwar weiterhin darauf, dass wir ihr Handy (“probablemente” – also wahrscheinlich) gestohlen hätten, die Polizisten erklärten ihr aber, dass sie uns trotz ihrer Überzeugung nicht ein zweites Mal durchsuchen würden – woraufhin die gute Dame mit einem “Ich hab jetzt keine Zeit mehr für diesen Blödsinn” und einer halbherzigen Entschuldigung (“Falls ihr das Handy WIRKLICH nicht habt, dann entschuldige ich mich”) wegstürmte… Die Polizisten entschuldigten sich anschließend mehrmals bei uns, ein seltsames Gefühl blieb bei uns aber trotzdem zurück…

Auf dieses Erlebnis hin beschlossen wir, erstmal ein Bier kaufen zu gehen – nur um im Supermarkt an der Kasse von einem US-Amerikaner in ein Gespräch verwickelt zu werden. Dieses fing noch recht harmlos an (“So where are you guys from?” und so weiter und so fort), entwickelte sich allerdings rasend schnell zu einem Monolog seinerseits, in dem er von Verfolgung durch Geheimdienste (US-amerikanischer und kolumbianischer), gestohlenen Aufdeckungsbüchern und der jüdischen Weltverschwörung berichtete – und das alles unterstützt von einem Briten, der sich mittlerweile auch dazugesellt hatte und jeden seltsamen Kriminellen, den der Ami nannte, persönlich zu kennen schien.. Damit war es für uns beide endgültig genug der Wahnsinnigen an diesem Tag und wir verdrückten uns mit der Entschuldigung eines imaginären Skypetermins in unser Hostel zum Biertrinken – nicht, ohne auf dem Weg dorthin immer wieder über unsere Schulter zu blicken, ob uns eh keiner der Wahnsinnigen folgte – an so einem Tag weiß man nie 😉

Zum Glück ruhiger: Salento und sein Kaffee

Nach dieser sagen wir mal ereignisreichen Zeit in Bogotá waren wir ganz froh über unseren nächsten Stopp: Salento, ein kleines Dorf in den kolumbianischen Kaffeebergen, wo es außer Wandern, Kaffee trinken und Entspannen nicht viel zu tun gibt 🙂 Und genau das haben wir die nächsten Tage auch gemacht: Wir wanderten durch das “Valle del Cocora “, ein Tal, das für seine bis zu 60 Meter hohen Palmen berühmt ist, machten eine äußerst lehrreiche Tour durch ein Schutzgebiet, bei dem wir sehr viel über das Funktionieren eines Regenwalds lernten, sowie eine Führung durch eine Kaffeeplantage, bei der wir selbst Kaffeebohnen sammeln mussten (wir könnten unser Geld eindeutig nicht damit verdienen ;)).

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Mit diesen äußerst stylischen Willys-Jeeps fährt man hier in die Berge 🙂

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Wanderung durchs Valle del Cocora

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Ja, es war LEICHT neblig...

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Eine seltsame Kombi: Palmen und Kühe...

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Einmal über eine Dschungelbrücke, bitte!

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Auch zu bewundern: schöne Blumen,...

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Kolibris...

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...und Nasenbären mit einem Kukuks-Hahn 😉

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Kaffeeplantage in Salento...

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Schaut aus wie der Pfeffer In Kambodscha 😉

Tja, und die restliche Zeit unserer fünf Tage verbrachten wir mit Lesen und Hängematten-Liegen im wunderschönen, vogelreichen Garten unseres unglaublich netten Hostels (wo sogar unser Geschirr abgewaschen wurde, weil “ihr schließlich auf Urlaub seid”). Am letzten Tag schließlich trafen wir zu unseren großen Freude nochmal Lisa und Nicole, die es mittlerweile auch nach Salento geschafft hatten 🙂

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Entspannen im Garten...

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...und in der Hängematte...

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...umgeben von Vogelgezwitscher 🙂

Medellín: Drogenvergangheit durch Architektur überwinden!

Ich muss es gleich zu Anfang gestehen: Da meine Kamera nach dem Fußballspiel am zweiten Abend in Medellín, als sie ein gewisser jeMANNd (ich möchte ja keine Namen nennen…) auf den Boden fallen hat lassen kaputt war, und eine nicht ganz andere Person später ihr Handy verloren hat, haben wir von Medellín eigentlich kaum Fotos – und die, die ihr hier seht, haben wir von Freunden zugeschickt bekommen… Aber wir versprechen, wir haben nur Fotos von Orten verwendet, an denen wir auch selbst waren, also is es nur ein bißchen geschummelt 😉 Aber zurück zum Thema…

Nicole und Lisa hatten uns auch jede Menge Tipps für Medellín – ihre vorherige und unsere nächste Station – mit auf den Weg gegeben, sodass wir voller Pläne in dieser faszinierenden Stadt ankamen. Die Stadt, die bis vor zwei Jahrzehnten als DIE Drogenmetropole der Welt galt (es war schließlich die Heimatstadt und “Wirkungsstätte” von Drogenbaron Pablo Escobar) fühlt sich mittlerweile sehr sicher an, und wie wir bei unserer Stadtführung erfuhren, tut die Stadt auch viel, um dies sicherzustellen: Ehemals besonders unsichere Plätze werden im Rahmen “demokratischer Architektur” (klingt gscheit, gell? Unsere Führerin hat das Wort so oft verwendet, dass es sogar bei uns hängengeblieben is ;)) wie zum Beispiel durch Installation von Kunst oder die Errichtung von Bibliotheken für die Öffentlichkeit sicher gemacht, Seilbahnen errichtet, um ehemalige Armenviertel ins öffentliche Verkehrsnetz einzubinden,… Wir waren wirklich fasziniert von der Energie und positiven Stimmung, die man in dieser Stadt überall spürt!

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Demokratisch-architektonische Säulen und so 😉

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Repräsentation der Geschichte der Stadt

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Mehr Botero, mit Kirche

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Mehr Botero, mit Menschen

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Hier wurde vor 20 Jahren während eines Konzerts eine Bombe gelegt, die mehrere Menschen tötete... Heute steht daneben eine zweite, ganze Statue als Zeichen der Hoffnung...

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Kleiner Mann, ganz groß...

Ganz besonders spürt man das – wahrscheinlich nicht nur in Medellín – ganz klischeehaft bei Fußballmatches, wobei wir zwar leider unter der Woche da waren und somit kein Match live im Stadion sehen konnten – dafür aber das WM-Quakifikationsspiel Kolumbien gegen Chile in einer Bar, wobei schon hier eine unglaubliche Stimmung herrschte! Aufgrund meiner kaputten Kamera gibt’s davon leider keine Bilder, aber stellt euch einfach alle Leute im Alter von 10 bis 70 mit Kolumbien-Leiberl in einer sehr lauten überfüllten Bar vor 😉

Außerdem haben wir von Medellín aus auch noch einen Ausflug nach Guatapé, einem zugegebenermaßen sehr pittoresken Stausee in der Nähe, gemacht. Der Ausblick von der Spitze des Felsen war zwar wirklich schön, nach 10 Stunden eingequetscht in einen Bus bzw, auf einem Boot neben betrunkenen dicken Panamesen haben Didi und ich aber einhellig beschlossen, dass dies definitiv die letzte organisierte Tour unserer Reise sein wird 🙂

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Blick vom Felsen über den Stausee

Tja, und nach diesem Beschluss ging’s für uns am nächsten Tag – sehr zu Danis Freude – endlich wieder raus aus der “Kälte” (bei 20 Grad untertags braucht man am Abend manchmal sogar eine leichte Jacke…) und ab in die Karibik! Aber davon mehr im nächsten Beitrag…

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